Blaue Mauern von Chefchaouen, Marokko
Manche Orte wirken wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch. Ein Blick auf die blaue Stadt Chefchaouen in Marokko mit ihren Terrassen, verwinkelten Gassen und ihrer ruhigen Atmosphäre genügt, um zu spüren, dass Geschichte hier nicht nur erzählt, sondern erlebt wird. Marokko setzte im Jahr 1944 ein bedeutendes Zeichen, als 66 Unterzeichner, angeführt von Sultan Mohammed V., das Ende der kolonialen Herrschaft forderten. Trotz Repressionen führte dieser Schritt im Jahr 1956 zur Unabhängigkeit und steht bis heute symbolisch für den Wunsch nach Selbstbestimmung.
Chefchaouen, oft als die „blaue Perle Marokkos“ bezeichnet, verbindet dieses historische Bewusstsein mit einer einzigartigen Atmosphäre. Die im 15. Jahrhundert als Festung gegen portugiesische Vorstöße gegründete Stadt trägt ihr charakteristisches Blau, das sowohl jüdischen als auch andalusischen Einflüssen zugeschrieben wird. Früh am Tag wirken die Farben kühl, später warm – ideale Bedingungen für die Fotografie. Dabei gilt es, respektvoll zu fotografieren, Menschen vorher zu fragen, lokales Handwerk zu unterstützen und die Ruhe der engen Gassen zu bewahren. So wird Chefchaouen zu einer Lehrmeisterin des Sehens und erinnert daran, dass Wandel oft im Alltag beginnt.