Festmahl trotz Frost Festmahl trotz Frost
Þorrablót, isländisches Mittwinterfest
Weidende Schafe im Schnee, Island (© Christophe Lehenaff/Getty Images)
Wenn der Winter Island mit eisiger Klarheit überzieht, verwandelt das Þorrablót die dunkelste Zeit des Jahres in ein Fest voller Wärme und kulturellen Selbstbewusstseins. Das traditionsreiche Mittwinterfest, dessen Name auf die mythologische Gestalt Þorri zurückgeht, reicht bis in die Wikingerzeit zurück. Ursprünglich baten die Menschen damit die Götter um Schutz, heute rückt die bewusste Pflege des Erbes in den Fokus.
Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Mahl: Geräuchertes Lamm, getrockneter Fisch und kräftiges Roggenbrot prägen das Buffet, das durch ungewöhnlichere Spezialitäten wie fermentierten Hai ergänzt wird. Diese Küche folgt derselben Logik wie deutsche Wintertraditionen, etwa deftige Gerichte auf Weihnachtsmärkten oder das norddeutsche Grünkohlessen, bei dem ebenfalls Gemeinschaft und Jahreszeitenbewusstsein gefeiert werden. Begleitet wird das Essen von Brennivín, einem Kümmelschnaps, der geschmacklich an deutschen Aquavit erinnert. Doch Þorrablót lebt vor allem vom Miteinander. In Gemeindesälen werden Lieder gesungen, Texte rezitiert und Geschichten geteilt. So zeigt das Fest, wie Tradition Brücken schlägt – über Ländergrenzen hinweg und mitten durch den Winter.