Kiefernwald im Elsass, Frankreich
Zwischen 1870 und 1945 wechselte das Elsass viermal die Staatszugehörigkeit – abwechselnd unter französischer und deutscher Herrschaft. Das erklärt die einzigartige Mischung aus Kulturen und Sprachen.
Wenn sich im Dezember Nebel über die Wälder des Elsass legt, scheint die Zeit stillzustehen. In der französischen Region Grand Est, nahe der deutschen Grenze, verwandelt sich die Landschaft dann in eine geheimnisvolle Kulisse. Fast 40 % des Elsass sind bewaldet und bieten Rehen, Wildschweinen und mit etwas Glück sogar Luchsen einen Rückzugsort. Zwischen Kiefern und Tannen dämpft der moosbedeckte Boden jeden Schritt und eine beinahe ehrfürchtige Stille legt sich über die Wälder.
Doch diese Wälder sind nicht nur Rückzugsorte für Tiere, sondern auch durchdrungen von Geschichten. Einheimische erzählen sich, dass tief im Nebel der Sotré lauert, ein schelmischer Waldgeist, der unsichtbar bleibt. Andere berichten von den „Weißen Frauen“, geisterhaften Gestalten, die an Bächen erscheinen – Überbleibsel uralter Legenden, die bis heute weitergegeben werden.
Das Elsass blickt auf eine reiche kulturelle Geschichte zurück, die sich in Sprache, Architektur und Brauchtum widerspiegelt. Französische und deutsche Einflüsse haben hier über Jahrhunderte hinweg eine ganz eigene Identität geformt, die in den Dörfern, auf den Märkten und in den Erzählungen der Menschen spürbar ist.